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Gemeinsame Verantwortung

Von 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung stehen in diesem Jahr fünf im Mittelpunkt des Global Goals Labs. Nachdem wir im ersten Blogartikel  die Ziele 1 und 4 näher beleuchtet haben, stehen nun SDG 5, 8 und 10 im Fokus des Artikels: Welche globalen sowie nationalen Entwicklungen sind dabei zu beobachten und was kann jede*r Einzelne im Alltag beitragen?

Gleiche Rechte, gleiche Pflichten, gleiche Chancen

SDG 5: Geschlechtergleichstellung erreichen und alle Frauen und Mädchen zur Selbstbestimmung befähigen

Das fünfte SDG widmet sich der ökonomischen Entwicklung, der Eliminierung aller Formen von Gewalt gegen Frauen und Mädchen inklusive Früh- und Zwangsverheiratungen sowie gleichberechtigte Partizipation auf allen Ebenen, unabhängig von Geschlechtsidentität und sexueller Orientierung. Dies schließt ebenso homosexuelle Menschen, Asexuelle, trans- und non-binäre Personen und bisexuelle Menschen ein, um nur wenige Beispiele zu nennen. 

Laut UN-Bericht 2019 haben weltweit circa 18% der Frauen und Mädchen zwischen 15 und 49 Jahren in den letzten 12 Monaten physische und/oder sexuelle Gewalt durch den Partner erlebt. Im Vergleich sind circa 8% der Frauen und Mädchen zwischen 15 und 74 Jahren in Europa davon betroffen (eurostat 2020). Mindestens 200 Millionen Mädchen und Frauen wurden Opfer von Genitalverstümmelung. Beschneidungen und Zwangsheiraten betreffen vor allem Frauen in Südasien und Westafrika. Im Alltag verbringen Frauen dreimal so viel Zeit für Kinder- und Seniorenbetreuung sowie Hausarbeiten wie Männer. Folglich haben sie weniger Zeit für ihre Arbeit oder die eigene Bildung. Dies resultiert schnell in einem Verlust der eigenen Selbstständigkeit oder führt vermehrt zu finanzieller Abhängigkeit. Des Weiteren fehlt es in einigen Ländern an rechtlichen Schutz vor Diskriminierung und Gewalt für Frauen. 

Auch die Erreichung des fünften Zieles steht 2020 aufgrund der Covid-19-Pandemie vor weiteren Herausforderungen. Von knapp 70% des weltweiten Personals arbeiten vor allem Frauen in sozialen Berufen und in der Pflege, sodass neben existierenden sozioökonomischen Disparitäten noch ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht und durch Quarantänemaßnahmen sowie eingeschränkte Bewegungsfreiheiten der Menschen die Zahl der häuslichen Gewalt steigt. 

Wie selbstbestimmt fühlst Du Dich?

In Deutschland haben Frauen die gleichen Zugangschancen zu Bildungs- und Studienmöglichkeiten wie Männer. Doch obwohl die Qualifizierungen sich kaum unterscheiden, liegt der Anteil an Frauen in Führungspositionen nur bei 21,3 % (Indikatorenbericht 2018).

Trotz zunehmenden Bewusstsein für diese Thematik leben Frauen in einer substantiell anderen Lebenswirklichkeit als Männer. Um mehr Aufmerksamkeit auf Gleichstellung der Geschlechter zu lenken, ist Bildung ein wichtiger Indikator. Denn diese kann einerseits Mädchen und Frauen befähigen, Diskriminierung zu überwinden und ihre Rechte durchzusetzen. Andererseits vermag diese bei Jungen und Männern ein Bewusstsein für das Thema zu schaffen. Bildung ermöglicht es Frauen und Mädchen zu Hause, in Gemeinden, in Betrieben und in Institutionen, ihr volles Potenzial zu entfalten. Laut UNESCO Agenda Bildung 2030 kann die Absolvierung eines zusätzlichen Schuljahres das Einkommen einer Frau um bis zu 20% erhöhen.

Sowohl als Mann und als Frau kannst Du täglich zur Erreichung von SDG 5 beitragen:

  • Engagiere Dich in Deinem sozialen Umfeld für die Rechte von Mädchen und Frauen (sei es ehrenamtlich, in sozialen Medien oder im Freundeskreis)
  • Unterstütze benachteiligte Frauen und Mädchen 
  • Unterstütze Projekte, die sich gegen Genitalverstümmelung einsetzen
  • Als Frau: Informiere Dich über Deine Rechte und die von anderen 
  • Als Mann: Bilde Dich, frage und höre zu, welche Herausforderungen Frauen im Alltag begegnen und erkenne an, dass die Unterschiede nur beidseitig gelöst werden können. 

Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum

SDG 8: Dauerhaftes, inklusives und nachhaltiges Wirtschaftswachstum, produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdige Arbeit für alle fördern.

Arbeit bestimmt jeden Tag und macht einen großen Teil unseres Lebens aus. Unsere Arbeit ermöglicht es uns, die eigenen Grund- und zusätzlichen Bedürfnisse zu erfüllen. Gegenwärtig wird weltweit so viel produziert und konsumiert wie noch nie. Laut UN-Bericht 2019 stieg das reale Bruttoinlandsprodukt in den am wenigsten entwickelten Ländern von 2010 bis 2017 jährlich um 4,8% (Zielvorgabe ist 7%). Die Arbeitsproduktivität stieg von 2017 auf 2018 um 2,1%, was der höchste jährliche Anstieg seit 2010 ist. Die weltweite Arbeitslosenquote lag 2018 bei circa 5%. In Europa sind 12,6% im Alter von 15 bis 29 nicht in Ausbildung oder in einem. Wirtschaftswachstum spielt eine wichtige Rolle im Kampf gegen Armut, es führt jedoch nicht automatisch zu mehr Wohlstand. Laut Schätzungen von UNICEF sind weltweit 150 Millionen Kinder zwischen 5 und 14 Jahren schon berufstätig, um die bereits berufstätige Familie zu unterstützen. 

Nachhaltiges Wirtschaften im Unternehmen mitdenken

Trotz einer vergleichbar geringen Arbeitslosenquote in Deutschland hat nicht jeder den gleichen Zugang zum Arbeitsmarkt. Menschen mit Behinderung sind öfter arbeitslos als der Durchschnitt und Frauen leisten beispielsweise durch Haushalt und Pflege häufig unbezahlte Arbeit. Der Wohlstand und das wirtschaftliche Wachstum in Deutschland (als eines der reichsten Industrieländer) bauen auf Kosten natürlicher Ressourcen auf. Denn auch in Deutschland wird weit über die eigenen Verhältnisse konsumiert. Wenn die Erreichung der Agenda 2030 bestrebt wird, braucht es eine nachhaltigere Wirtschaft, ein Umdenken im Konsumverhalten und einen einheitlichen Zugang zu Arbeitsmöglichkeiten, um dauerhaft menschenwürdige Arbeit für alle zu fördern. Doch auch Bildung ist einer der stärksten Treiber des achten Entwicklungsziels. Diese kann jede*n Einzelne*n dabei unterstützen, der Armut zu entkommen, sie generiert auch Produktivität und fördert somit das Wirtschaftswachstum. Mit einer Steigerung des durchschnittlichen Bildungserwerbs der Bevölkerung eines Landes wächst das jährliche Pro-Kopf-BIP von 2% auf 2,5% (UNESCO Agenda Bildung).

Wer als Gründer*in oder Unternehmer*in einen positiven Beitrag leisten möchte, kann bereits in der Wertschöpfungskette menschenwürdige und nachhaltige Arbeitsverhältnisse mitdenken. Sei es zu Beginn einer Unternehmung oder in bereits etablierten Unternehmen:  wird sich immer häufiger die Frage gestellt, wie diese Werte mit wirtschaftlichem Wachstum realisierbar sind. Sei es der/die Einkäufer*in, die mit höheren Produktions- und Einkaufskosten innerhalb Deutschlands konfrontiert ist. Die Marketingabteilung steht vor der Herausforderung die höheren aber fairen Preise mit der Preissensibilität der Kund*innen zusammenbringen. Im Global Goals Lab wurden bereits Social Startups begleitet. Plastic2Beans bietet beispielsweise ein Produkt an, wo die Produktion bereits Wasser, Energie, Co2 sowie Plastikmüll spart und die Bauern fair bezahlt. Denn auch unser Konsumverhalten hat einen großen Einfluss auf die Arbeitsbedingungen in ärmeren Ländern. 

Dein Beitrag zur Erreichung von dem achten SDG: 

  • Frage Dich beim Einkaufen, ob Du das Produkt wirklich brauchst oder welche regionalen, fairen Angebote es gibt
  • Informiere Dich über Produktionsbedingungen und die Arbeit der Menschen
  • Engagiere Dich z.B. in Gewerkschaften
  • Nehme an der Global Goals Week 2020 teil

Alle Menschen sind gleich oder doch nicht?

SDG 10: Ungleichheit in und zwischen Ländern verringern

Dieses Entwicklungsziel widmet sich der Chancengleichheit unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft, Behinderung, Bildung oder sonstigem Status hin zu mehr Selbstbestimmung. Ebenso fordert es mehr Regulierung und Überwachung globaler Finanzmärkte sowie verstärkte Mitsprache von Entwicklungsländern bei globalen Entscheidungen. Theoretisch sind alle Menschen vor dem Gesetz gleich und trotzdem gibt es nicht für jede*n den gleichen Bildungszugang, Mitspracherecht, Gesundheitsversorgung und wirtschaftliche Teilhabe. Wie viel Migration in der Agenda 2030 steckt hat die Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. hier thematisiert. 

In mehr als der Hälfte von 92 Ländern wuchs zwar das Einkommen der Ärmsten 40% der Bevölkerung. Im Vergleich von 2011 bis 2016 war dies rascher als im nationalen Durchschnitt (UN-Bericht 2019). In vielen Ländern fließt ein immer größer werdender Anteil des Einkommens den Reichsten 1% zu. Auf die Ärmsten 40% entfallen dabei weniger als 25% des Gesamteinkommens. Circa 264 Millionen Kinder und Jugendliche haben noch stets keinen Zugang zu Bildung. Dies sind fast doppelt so viele wie in Europa. Der Zugang zu Gesundheitsversorgung ist nicht in allen Ländern gewährleistet. Die Gleichstellung von Frauen und Männern weist, wie oben bereits geschrieben noch immer große Unterschiede auf. In Deutschland wird auf mehr Integration, die Förderung gleicher Bildungschancen und eine gerechte Verteilung von Einkommen und Vermögen gesetzt um Ungleichheiten zu verringern. Bildung trägt zu einer Verringerung der Einkommensungleichheit bei. Zudem können durch bessere Ausbildungsmöglichkeiten Menschen aus benachteiligten Gruppen besser für ihre Rechte und Bedürfnisse einstehen und können gleichberechtigt am Wohlstand teilhaben.

Aktives Zusammenarbeiten ist wichtiger denn je

Nicht nur auf individueller oder gesellschaftlicher Ebene können dabei langfristig nachhaltig und sozial orientierte Lösungen entwickelt werden. Auch Unternehmen sollten Regierungen auf transparente und rechenschaftspflichtige Weise einbeziehen und Zahlungen an Regierungen offenlegen. Ob durch den Dialog über die öffentliche Ordnung oder durch Steuereinnahmen, es wurde bereits 2015 laut SDG Compass erkannt, dass die Beziehungen zwischen Unternehmen und Regierungen erhebliche Auswirkungen auf die Menschenrechte haben. Dies kann die Entwicklung von Ungleichheit verschärfen oder ebenso erheblich verbessern. Unternehmen können folglich einen positiven Einfluss auf die Bekämpfung der Ungleichheit haben, indem sie integrative Geschäftsmodelle einbeziehen, die marginalisierten Gruppen am Arbeitsplatz, auf dem Markt und in der Gemeinschaft die Möglichkeit geben, sich zu stärken.

Die Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen, die auf arme Kund*innen zugeschnitten sind, wäre eine Möglichkeit Ungleichheit zu verringern. Doch auch dann braucht es noch einen besseren Zugang zu grundlegenden Gütern und Dienstleistungen für in Armut lebende Menschen (z.B. durch das Kerngeschäft, politische Dialoge und soziale Investitionen). Das Rekrutieren, Schulen und Beschäftigen von lokalen Gemeindemitgliedern, einschließlich derer, die in Armut leben, ebnet den Weg in eine aktive Integration in Entwicklungsprozesse oder unternehmerische Wertschöpfungsketten (als z.B. Produzenten, Lieferanten, Händler, Verkäufer). 

Weitere Beiträge zur Erreichung von SDG 10 auf Unternehmens- und individueller Ebene:

  • Behandele alle Menschen, unabhängig von Herkunft, Alter, Geschlecht, Religionszugehörigkeit, Ethnizität, Behinderung oder sonstigem Status, gleich
  • Unterstütze/ Investiere in unternehmensorientierte Aktivitäten zur Beseitigung der Armut (z. B. Entwicklung einer Politik für existenzsichernde Löhne oder inklusives Arbeiten)
  • Arbeite mit Netzwerken der Zivilgesellschaft zusammen oder beim internationalen Freiwilligeneinsatz, um Bildung und Ausbildung zu unternehmerischen Fähigkeiten anzubieten
  • Engagiere Dich für einen barrierefreien Ausbau in öffentlichen Einrichtungen
  • Teile Deine Fähigkeiten und unterstütze Deine Mitmenschen durch Sprach- und Integrationskurse
  • Achte beim Kauf von Produkten die Produktionsbedingungen, ob auf faire Produktion geachtet wurde, um somit Produzent*innen weltweit menschenwürdige und faire Arbeitsbedingungen zu ermöglichen

Gemeinsam für eine gerechtere Welt

Die 17 UN-Entwicklungsziele lösten 2015 nach 15 Jahren die Millennium Development Goals (MDGs) ab. Eine essenzielle Ergänzung war nach Ansicht der UN, dass die SDGs auch Entwicklungsziele für die Industrie- und OECD-Staaten werden. Damit wurde in einer gewissen Art jeder Staat ein Entwicklungsland. Die SDGs sind jedoch Handlungsanleitungen für uns alle. Jeder Beitrag, sei es im persönlichen Umfeld, in Deiner Stadt oder als unternehmerische Ausrichtung ist essenziell für unsere Zukunft. Es gibt bereits verantwortungsvolle Projekte, Akteure und Unternehmen, die jeden Tag zeigen, wie wichtig es ist als Gemeinschaft zu agieren und jede*n Einzelne*n in den Entwicklungsprozess mit einzubeziehen. Du arbeitest selbst in einem innovativen und bereits gegründeten Sozialunternehmen, mit dem ihr euch für weniger Ungleichheit oder gute Arbeitsbedingungen einsetzt? Dann bewerbt euch bis zum 31. Oktober für das Global Goals Lab 2020/21.