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Gemeinsam für nachhaltige Entwicklung

Im September 2015 wurde die „Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung“ mit den 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung(Sustainable Development Goals) verabschiedet. Fünf Jahre später definiert die Covid-19 Pandemie die Herausforderungen aller 17 Ziele neu. Die weltweite Rezession gefährdet Arbeitsplätze und öffnet gleichzeitig die Möglichkeit für neue Formen der Arbeit. Ungleichheiten drohen sich im Angesicht der Pandemie weiter zu verstetigen. Deswegen fokussiert das Global Goals Lab in der dritten Runde die Themenbereiche „Für weniger Ungleichheiten und gute Arbeitsbedingungen“. In diesem Artikel nehmen wir euch mit auf eine Kurzreise zu unseren diesjährigen Fokus-Zielen und betrachten auch, was jede*r einzelne*r zu diesen beitragen kann. Denn es braucht ein bewusstes HEUTE für ein gerechtes und nachhaltiges MORGEN.

Ziele für eine nachhaltige Entwicklung

Diese 5 Entwicklungsziele stehen in diesem Jahr im Fokus des Global Goals Labs:

  • SDG 1: Armut in allen ihren Formen und überall beenden
  • SDG 4: Inklusive, gleichberechtigte und hochwertige Bildung gewährleisten und Möglichkeiten lebenslangen Lernens für alle fördern
  • SDG 5: Geschlechtergleichstellung erreichen und alle Frauen und Mädchen zur Selbstbestimmung befähigen
  • SDG 8: Dauerhaftes, breitenwirksames und nachhaltiges Wirtschaftswachstum, produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdige Arbeit für alle fördern
  • SDG 10: Ungleichheit in und zwischen Ländern verringern

In diesem ersten Blogartikel erfahrt ihr mehr über SDG 1 und SDG 4. Einen genaueren Blick auf die Ziele 5, 8 und 10 werfen wir in einem zweiten Blogartikel.

Was würdest Du mit 1,9 US-Dollar pro Tag tun?

SDG 1: Armut in allen ihren Formen und überall beenden

Laut UN-Bericht lebten 2018 circa 672,78 Millionen Menschen weltweit in extremer Armut. Pro Tag standen ihnen dabei durchschnittlich 1,90 US-Dollar (~1,58 Euro) zur Verfügung für Lebensmittel, Kleidung und alles, was sonst zum Leben wichtig ist. Daneben haben 55% der Weltbevölkerung bislang keinen Zugang zu Sozialschutz.

Im Angesicht der COVID-19-Pandemie und den wirtschaftlichen Rezessionen könnte laut ILO die Anzahl der Menschen, die in Armut leben, die Schwelle von einer Milliarde in diesem Jahr übersteigen. Diese wurde im Jahr 2018 noch auf circa 759 Millionen Menschen geschätzt. Von einem Tag auf den anderen wurden vor allem Tagelöhner, Landarbeiter*innen und Beschäftigte in kleinen und mittleren Betrieben des informellen Sektors durch die weltweiten Lockdown-Maßnahmen die Existenzgrundlage entzogen.

Armut in Deutschland

In Deutschland galten laut Indikatorenbericht 2017 circa 9,1% der Bevölkerung  als materiell depriviert: Im alltäglichen Leben konnten sich 7,4 Millionen Menschen nicht ausgewogen ernähren und die Miete fristgerecht bezahlen. Davon waren 3,4% von erheblicher materieller Entbehrung betroffen.

Vor allem Arbeitslose, Wohnungsuchende, Menschen mit Migrationshintergrund, Alleinerziehende und alte kranke Menschen gehören in Deutschland zur Risikogruppe. Außerdem wächst jedes fünfte Kind hierzulande in Armut auf. Dies bedeutet auch, dass einer unserer Bekannten oder Mitschüler*innen unserer Kinder von Armut betroffen sein können.

Dein Beitrag für das erste SDG:

Hochwertige Bildung ist ein Menschenrecht

SDG 4: Inklusive, gleichberechtigte und hochwertige Bildung

Eine hochwertige, inklusive und gleichberechtigte Bildung ist das Fundament für individuelle und gesellschaftliche Entwicklung. Sie eröffnet Chancen für mehr Innovation, Inklusion und befähigt Menschen, ihre politische, soziale, kulturelle und wirtschaftliche Situation zu verbessern. Laut UN besucht 1 von 5 Kindern im Alter von 6 bis 17 Jahren keine Schule. Dies betrifft vor allem Kinder, die in Armut leben und die bereits frühzeitig zur Unterstützung der Familie arbeiten gehen müssen. Circa 617 Millionen Kinder und Jugendliche verfügen nicht über Mindestkenntnisse im Lesen und Rechnen. Auch 750 Millionen Erwachsene sind noch immer Analphabeten, zwei Drittel davon Frauen. Dadurch fehlen elementare Qualifikationen und Kompetenzen, um sich aus der Armut zu befreien. Gleichzeitig erschwert der Mangel an qualifizierten Fachkräften in einem Land, dessen Weiterentwicklung und wirtschaftlichen Wachstum als wichtige Grundlage für mehr Bildungszugang. Bereits der Weltbildungsberichts 2013/14 konnte anhand von Berechnungen verdeutlichen, dass wenn in Ländern mit niedrigem Einkommen die Schüler*innen die Schule mit Grundkenntnissen im Lesen verließen könnten, circa 171 Millionen Menschen der Armut entkommen könnten. Dies entspricht einer Reduzierung der weltweiten Armut um 12%. Es zeigt, welche Chancen der Zugang zu Bildung für nachfolgende Generationen eröffnet und wie essentiell diese für die Zielerreichung des ersten SDGs ist.

Als Folge der COVID-19-Pandemie wurden weltweit Schulen und Universitäten temporär geschlossen. Seit Mai 2020 waren laut UNESCO über 1,6 Milliarden Schüler*innen und Studierende in 194 Ländern betroffen. Die sozialen und ökonomischen Folgen die damit einhergehen können, macht UNICEF-Exekutivdirektorin Henrietta Fore deutlich: „Schulen sind viel mehr als nur ein Ort des Lernens. Für viele Kinder ist die Schule ein lebenswichtiger Zugang zu Schutz, Gesundheitsversorgung und Nahrung. Wenn wir jetzt nicht handeln – indem wir die lebensrettende Hilfe für die am stärksten gefährdeten Kinder ausbauen – werden die verheerenden Auswirkungen von Covid-19 noch Jahrzehnte zu spüren sein.“

Hochwertige Bildung im Schulalltag

In Deutschland hatte im Jahr 2017 jeder zehnte der 18- bis 24-Jährigen keine abgeschlossene Berufsausbildung, kein Abitur oder eine Fachhochschulreife und nahm auch nicht an Aus- und Weiterbildungen teil. Fehlende Schul- und Berufsabschlüsse bedeuten ein Armutsrisiko und eine Belastung der Sozialsysteme.

Im Schulbereich kann aufgrund der Fächervielfalt nahezu jedes SDG an bestehende Schulinhalte angeknüpft werden. Sowohl in gesellschaftswissenschaftlichen, naturwissenschaftlichen Fächern und im Fremdsprachenunterricht können die SDGs inhaltlich gut vermittelt werden. Während etwa 1.500 deutsche Schulen durch verschiedene SDG-Programme zertifiziert werden, sind die SDGs laut der Studie zur Umsetzung der SDGs im deutschen Bildungssystem von dem Rat für nachhaltige Entwicklung im Großen und Ganzen an Schulen und in Bildungsverwaltungen noch unbekannt.

Aus der Arbeit des Social Impact-Bildungsprojektes Baut Eure Zukunft in Zusammenarbeit mit u.a. UNESCO-Projektschulen wurde in der Praxis sichtbar, wie offen, neugierig und kreativ sich Schüler*innen mit Themen, wie Armutsbekämpfung, Umgang mit Zukunftsängsten und Nachhaltigkeit im Schulalltag auseinandersetzen, wenn die Rahmenbedingungen es zulassen. In Form von Projekttagen können Lehrende und Schüler*innen binnen kürzester Zeit eigene Ideen für eine nachhaltige und gerechte Bildung erarbeiten. Fragen und Herausforderungen, wie Zeit, interkulturelles Lernen, Anpassung an den Lehrplan und Unterrichtsmaterial sind dabei besonders wichtig, um den SDGs im Schulalltag Raum zu geben.

Dein Beitrag für das vierte SDG in deinem Alltag:

  • Für Kinder: Spende deine Lehrbücher oder Jugendbücher, wenn du diese nicht mehr brauchst
    • Für Jugendliche: Du liebst Sprachen? Dann engagiere dich als Sprachlehrer*in als Unterstützung
    • Für Eltern: Werde Fördermitglied bei Organisationen, die sich für Bildungsgerechtigkeit einsetzen oder werde mit deinen Kindern zu „Explorers for the Global Goals
    • Für jede*n: Erzähle deinem sozialen Umfeld von der Bedeutung der SDGs; Teile dein Wissen und Fähigkeiten mit deinen Mitmenschen, sodass ihr voneinander lernen könnt; Mache mit bei Aktionen wie The World’s Largest Lesson oder entdecke weltweit die Global Goals Journey

Ein bewusstes HEUTE für ein gerechtes und nachhaltiges MORGEN

Die Global Goals sind Handlungsanleitungen für uns alle. Jeder Beitrag, sei es im persönlichen Umfeld, in Deiner Stadt oder als unternehmerische Ausrichtung ist essenziell für unsere Zukunft. Es gibt bereits verantwortungsvolle Projekte, Akteure und Unternehmen, die jeden Tag zeigen, wie wichtig es ist als Gemeinschaft zu agieren und jede*n Einzelne*n in den Entwicklungsprozess mit einzubeziehen. Du arbeitest selbst in einem innovativen und bereits gegründeten Sozialunternehmen, mit dem ihr euch für weniger Ungleichheit oder gute Arbeitsbedingungen einsetzt? Dann bewerbt euch hier bis zum 31. Oktober für das Global Goals Lab 2020/21.

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